Über Gedanken und Zwerge

 

Gedanken sind unsichtbar! Erinnerungen sind unsichtbar! Willensimpulse sind unsichtbar! Und doch erleben, sehen, fühlen wir sie – und sie bestimmen und gestalten unser Leben!

Stellen wir diesen Gedanken einmal ganz deutlich vor uns hin: Das Unsichtbare gestaltet unser Leben! Erst nachdem es unsichtbar in uns gewirkt hat, tritt es durch unsere Handlungen ins Äußere und damit ins Sichtbare! Das ist keine Spekulation, kein esoterischer Hinweis, keine weltanschaungsabhängige Meinung – das ist alltäglich erlebte Tatsache!

Daniela Drescher „Zwergenmützen“

Trotzdem wird das Unsichtbare gegenüber dem Sichtbaren in weiten Kreisen gering geschätzt. Das führt zu Fehleinschätzungen des menschlichen Lebens. Wie anders wäre unsere Welt, wenn das Bewusstsein der Kraft des Unsichtbaren, der Liebe, des Mitgefühls und der Zuversicht an erster Stelle stünde, wenn dieses Bewusstsein die Konferenzen aller Parlamente dieses Planeten bestimmte? – Etwas entschieden Anderes träte in die Sichtbarkeit.

Auch negative Kräfte wie Sorgen, Angst, Eifersucht, Neid, Wut oder Machtgier sind unsichtbar und zeigen sich der äußeren Welt erst durch die Taten ihrer Träger. Ob unser Leben, ob unsere Welt sich ins Helle oder ins Dunkle entwickelt, hängt wesentlich von unserer inneren (unsichtbaren) Kraft ab, unsere Gedanken und Gefühle wahrzunehmen und aus eigener Ent-Scheidung zu gestalten.

Daniela Drescher „Schätze der Erde“

Die Fähigkeit nun, im unsichtbaren Inneren selbstbestimmt einzugreifen, hängt davon ab, ob wir uns überhaupt unserem Innenraum zuwenden und darauf vertrauen, dass wir ihn verändern und gestalten können. Mancher hat da ein Urvertrauen – und Selbsterziehung, Lebensgestaltung und Mitgefühl für die Anderen und die Erde fließen erfolgreich aus seinen inneren Impulsen in die Sichtbarkeit. Andere verbrauchen fast die gesamte Energie am Selbstzweifel – und trotz aller Bemühungen tritt das Gewünschte nicht ins Sichtbare ein.

Das eine oder andere hat viel mit der Kindheit zu tun, hat viel mit dem Vorbild der Eltern und Erzieher zu tun: Wenn Erwachsene ihr (unsichtbares) Ich als Gestaltungskraft einsetzen, ahmt das Kind diese Kräfte nach, bevor sie noch ins Sichtbare treten. Lebensbestimmend ist das Vertrauen in die Wirksamkeit des Unsichtbaren.

Daniela Drescher „Pilzzwerge“

Aber wie kann ich ein solches Vorbild abgeben, wenn ich selbst dieses Vertrauen nicht in der Kindheit bekommen habe, und an mir und meiner Kraft zweifele? Die gute Nachricht ist, dass ich mich jederzeit neu besinnen, neu ergreifen und verändern kann. Jeder und jederzeit.

Auch Zwerge sind unsichtbar, es sei denn wir erhaschen ihre Tarnkappe oder sie selbst wollen sich von auserwählten Menschen sehen lassen. Zwerge sind bildhafte Vorstellungen von Kräften, die in der Natur bestimmen und gestalten, so wie unser Denken, unser Fühlen und unser Wille unsere Biografie bestimmen und gestalten.

Daniela Drescher „Heimweg“

Wenn wir unseren Kindern von Zwergen erzählen, geben wir ihnen Bilder vom Unsichtbaren und stärken ihr Vertrauen in dessen Kräfte. Zwerge sind nicht unbedingt „gut“. (Manchmal verstecken sie auch Schlüsselbunde…). Aber die Märchenwelt will unseren Kindern ja gar nicht nur vom „Guten“ erzählen, sondern vom Vertrauen in die Kraft, die Licht und Dunkel vereint und auf eine neue Stufe hebt.

Letztlich steht hinter allen mythologischen Bildern, ob Zwergen, Drachen oder Königen der eine Aufruf: Gib deinen Gefühlen und Gedanken eine Richtung, in der du dir deiner Seele und deines Geistes so bewusst wirst, wie du dir bisher deines Leibes bewusst bist. Daher sagt mir jedes Bild des Unsichtbaren: Erkenne dich selbst als Teil der unsichtbaren Quellkraft – und nutze diese Kraft zum Wohle der Welt.

Herzlich

Ihr Eckehard Waldow

Dieser Text entstammt dem Elternteil von VORHANG AUF Heft Nummer 112 „Zwergenwelten“.

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